Essen-Frintrop: Stadtteil-Guide für Zuzügler und Eigentümer

Im März 1912 stimmten die Frintroper darüber ab, zu wem sie gehören wollten: zu Essen oder zu Oberhausen. Die Essener Volkszeitung nannte es die „Schlacht von Frintrop“. 1305 Stimmen für Essen, 499 für Oberhausen.
Essen gewann die Abstimmung, aber nicht das ganze Dorf. Bei der Eingemeindung am 1. April 1915 musste Frintrop mehr als die Hälfte seiner Fläche abgeben: 272 Hektar mit rund 5.000 Einwohnern gingen an Oberhausen. Was blieb, ist heute der westlichste Stadtteil Essens.
8.506 Menschen leben hier, im Stadtbezirk IV Borbeck. Frintrop hat einen Kirchplatz, einen Wochenmarkt, zwei Zentren und einen Charakter, den man in einer Millionenregion nicht erwartet: kleinstädtisch. Nur sind die beiden Zentren sehr ungleich ausgestattet — und das entscheidet hier über den Preis.
Vrilincdorpe, die Bahn und der lange Abschied vom Dorf
Um 1220 wird der Ort erstmals genannt, in den Isenberger Vogteirollen, als Vrilincdorpe. Der Name enthält das altniederdeutsche Wort friling, freier Mann. Übersetzt also: Dorf der Freien. Eine neuere Deutung führt den Namen auf keltische Wurzeln zurück und liest ihn als Dorf im sumpfigen Land. Genau gleich gebildet ist übrigens Frillendorf im Essener Osten, das um 1220 ebenfalls Vrilincdorpe hieß.
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war Frintrop Bauernland. Die Höfe lagen verstreut in der Nähe des Hellwegs, des alten Handelswegs. Familien wie Breukelmann, Kauke, Knotte und Stöckmann prägten die Bauerschaft.
Zwei Ereignisse haben das Dorf verändert. Das erste war die Kirche. 1874 begann in Oberfrintrop, damals noch auf freiem Feld, der Bau der St.-Josef-Kirche in der Straße Himmelpforten. Der erste Bauabschnitt war 1877 fertig, nach der Erweiterung wurde sie im September 1897 konsekriert. Es ist eine dreischiffige neugotische Hallenkirche mit Kreuzrippengewölbe auf Rundpfeilern. Seit 1994 steht sie unter Denkmalschutz. Das Grundstück stammte von der Bauernfamilie Knotte. Rund um die Kirche entstanden repräsentative Wohn- und Geschäftshäuser, 1895 auch die erste Apotheke des Ortes.
Das zweite Ereignis war die Eisenbahn. Ab dem 1. Oktober 1885 betrieb die Köln-Mindener Eisenbahn hier einen Rangierbahnhof, der sich zum bis dahin größten Güterverschiebebahnhof Europas entwickelte: über 70 Harfengleise, ein Bahnbetriebswerk mit drei Drehscheiben und Ringlokschuppen. In Unterfrintrop wohnten Eisenbahner, dazu Hütten- und Zechenarbeiter.
Mit der Schließung der Phoenixhütte 1926 begann das Ende. Am 5. Oktober 1930 wurde der Rangierbahnhof endgültig stillgelegt. Auf der Brache entstand 2007 der Gleispark Frintrop, ein Landschaftspark auf 25 Hektar mit Birkenwald, Ruinen und Skulpturen. Er trägt Frintrops Namen, liegt nach heutiger Stadtteilaufteilung aber überwiegend auf Dellwiger und Oberhausener Gebiet, direkt an der Grenze.
Bergbau gab es auch: Der Schacht Kattendahl, ab 1903 abgeteuft, gehörte über die Zeche Königsberg zur Zeche Oberhausen und diente als Wetterschacht und zur Seilfahrt. 1931 wurde das Werk geschlossen, 1959 der Schacht verfüllt und mit einer runden Betonplatte verschlossen, 1966 der Bereich aus der Bergaufsicht entlassen. Diese Betonplatte an der Oberhauser Straße ist heute das einzige erkennbare Bergbaurelikt in Frintrop.
Wohnen in Frintrop
Frintrop erstreckt sich über zwei Ebenen, und die Frintroper nennen sie genau so: Oberfrintrop mit der St.-Josef-Kirche, Unterfrintrop mit dem Markt- und dem Leoplatz. Das Gefälle ist echt. Der höchste Punkt liegt laut amtlichem Kataster zwischen Reck- und Frintroper Straße auf 87,2 Metern, der niedrigste nahe der Straße Schemmannsfeld auf 36 Metern. Grund ist die Randlage am Südhang des Emschertals.
Die Bebauung ist dicht, aber unterbrochen von Grün- und landwirtschaftlichen Flächen. Zwischen 1950 und 1970 entstanden mehrere Siedlungen auf früher landwirtschaftlichem Land; Bauträger waren Krupp, die Wohnungsgesellschaft Dümpten und Allbau. In den 1970er Jahren gab es Pläne für großflächige Abrisse alter Gebäude. Sie wurden in weiten Teilen nicht umgesetzt, und das ist der Grund, warum Frintrop bis heute kein austauschbares Neubauviertel ist.
Die Bevölkerung ist etwas älter als im Stadtschnitt: rund 25 Prozent sind mindestens 65 Jahre alt, in Essen sind es knapp 22. Der Anteil der unter 18-Jährigen liegt bei knapp 16 Prozent, praktisch auf Stadtniveau. Der Ausländeranteil beträgt rund 15 Prozent, im Stadtschnitt sind es etwa 21.
Ehrlich gesagt, und das gehört dazu: Die Frintroper Straße ist als Teil der Bundesstraße 231 eine Durchgangsachse. Sie verläuft von Südosten nach Nordwesten quer durch Ober- und Unterfrintrop. Wohnungen und Häuser direkt an dieser Straße sind lärmbelastet, und das schlägt sich im Preis nieder. Ein paar Straßen weiter, Richtung Barchembach oder Schildberg, ist es ruhig. Der Unterschied zwischen beiden Lagen ist in Frintrop größer als der Unterschied zwischen Frintrop und manchem Nachbarstadtteil.
Verkehr und Anbindung
- Straßenbahn 105: von der Hollestraße über Rathaus Essen bis Frintrop Unterstraße. Die zweite Endstelle liegt mit einer Gleisschleife auf der Frintroper Höhe. Frintrop hat damit als einziger Stadtteil im äußersten Westen zwei Straßenbahn-Endpunkte.
- Bus: Linie 143 (Oberhausen Fröbelplatz – Alstaden – Oberhausen Hbf – Frintrop – Borbeck Bahnhof) und Linie 185 (Oberhausen Neue Mitte – Frintrop – Dellwig – Borbeck). Dazu die Linie SB94 der Oberhausener STOAG, deren Endstelle ebenfalls an der Unterstraße liegt.
- Nachts: NachtExpress NE11 von Essen Hbf über Altendorf und Frintrop nach Oberhausen.
- Auto: über die Frintroper Straße zur Anschlussstelle Borbeck an der A 40, über Oberhausen zur A 42 und zur A 516.
Eine Verlängerung der Linie 105 nach Oberhausen zum CentrO ist seit langem im Gespräch und im Nahverkehrsplan angemeldet. Verlass Dich beim Kauf nicht darauf. Kaufe die Anbindung, die heute fährt.
Schulen und Familien
Die einzige Schule im Stadtteil ist die katholische Altfried-Grundschule an der Frintroper Straße in Oberfrintrop. Sie wurde Ende Oktober 1960 eröffnet, ist im Eigentum der Stadt Essen und steht mit ihrer Turnhalle auf einem rund 7.450 Quadratmeter großen Grundstück. Der Rat der Stadt hat eine Erweiterung beschlossen.
Ihre Wurzeln reichen weit zurück: Vorläufer war eine Schule an der Jagdstraße, in der ein von der Essener Fürstäbtissin beauftragter Lehrer Kinder aus Borbeck, Frintrop, Dellwig und Bedingrade unterrichtete, gegen sechs Pfennige Schulgeld pro Woche.
Wichtig für Familien: Eine weiterführende Schule gibt es in Frintrop nicht. Der Weg führt nach Borbeck oder in die Nachbarstädte. Wer mit Kindern hierher zieht, sollte den Schulweg vorher konkret durchspielen, mit Bus und Bahn zur echten Uhrzeit.

Einkaufen und Versorgung
Hier hat sich in den letzten Jahren viel bewegt, und zwar ungleich verteilt. In Oberfrintrop wurden die Wohn- und Geschäftshäuser Frintroper Straße 414 bis 426 abgerissen. Auf dem Gelände entstanden zwei Lebensmittelmärkte mit Parkplätzen und ein dreistöckiges Büro- und Geschäftshaus. Aldi eröffnete dort zuerst, Rewe einen Monat später. Eine Filiale der Deutschen Post gibt es an der Frintroper Straße 422.
Dazu gibt es in Oberfrintrop einen Wochenmarkt an der St.-Josef-Kirche und Einzelhandel an der oberen Frintroper Straße, in der Straße Himmelpforten und am unteren Höhenweg.
In Unterfrintrop sieht es anders aus. Der Netto-Discounter am Marktplatz hat geschlossen, das Gebäude wurde im selben Jahr abgerissen. Eine Lebensmittelversorgung gibt es in Unterfrintrop seitdem nicht mehr; geplant ist dort ein Neubau für Seniorenwohnungen. Wenn Du in Unterfrintrop kaufst, kaufst Du einen Stadtteil ohne fußläufigen Supermarkt. Das musst Du wissen, bevor Du unterschreibst, und nicht danach.
Für Pflege gibt es das Seniorenheim Papst-Leo-Haus an der Unterstraße. Das nächste Mittelzentrum mit vollem Angebot ist Borbeck-Mitte.
Grün und Freizeit
Der Barchembach bildet einen Teil der westlichen Stadtteilgrenze, gesäumt von alten Schwarzerlen, Eschen und Weiden. Östlich, nahe der Stadtgrenze zu Oberhausen, fließt der Läppkes Mühlenbach, der bis Anfang der 1990er Jahre ein offener Abwasserkanal war und heute renaturiert ist. Dort liegt auch der Läppkes Hof mit der ehemaligen Mühle.
Der Sport- und Bürgerpark an der Straße Schemmannsfeld ist neu; dort hat der SC Frintrop 05/21 sein Domizil. Der Fußballverein Adler Union Frintrop entstand 2014 aus der Fusion von Adler Frintrop (gegründet 1910) und Union Frintrop (1913). Dazu kommen der Turnerbund Essen-Frintrop 1903 und zwei Bürger-Schützenvereine von 1864 und 1919.
Prägend für das Vereinsleben ist der Bürger- und Verkehrsverein Essen-Frintrop, gegründet im Oktober 1922. Er organisiert seit 1966 den Sankt-Martins-Umzug, zu dem jährlich bis zu 8.000 Besucher kommen. Für einen Stadtteil mit 8.506 Einwohnern ist das eine Hausnummer.
Sehenswürdigkeiten
- St.-Josef-Kirche in der Straße Himmelpforten, Baubeginn 1874, konsekriert 1897, seit 1994 Denkmal.
- Pestkreuz an der Ecke Jagdstraße/Unterstraße, 1668 aus Dank aufgestellt, weil die Pest den Landstrich verschont hatte.
- Wallfahrtskreuz an der Ecke Heilstraße/Frintroper Straße, seit Anfang des 18. Jahrhunderts, im Volksmund Lattenkreuzhannes. Sammelpunkt der Pilger nach Kevelaer.
- Platz Zur Friedenseiche an der Einmündung der Schloßstraße in die Frintroper Straße.
- Mahn- und Gedenkkreuz am Leoplatz, knapp fünf Meter hoch, aus Aluminium.
- Hochbunker Richtstraße aus den frühen 1940er Jahren, heute Wohnhaus.
- Stolperstein für Heinrich Imbusch am Höhenweg 30, für den Gewerkschaftsführer, der 1933 vor der Verfolgung fliehen musste.
Der Immobilienmarkt in Frintrop
Frintrop ist ein Markt mit zwei Gesichtern, und die heißen Oberfrintrop und Unterfrintrop. Oberfrintrop hat den Kirchplatz, den Wochenmarkt, die Grundschule, zwei neue Lebensmittelmärkte und die Post. Unterfrintrop hat den Marktplatz, den Leoplatz, die Straßenbahn-Endstelle an der Unterstraße und keinen Supermarkt. Diesen Unterschied siehst Du im Preis, und Du solltest ihn auch dort erwarten.
Typisch für den Bestand sind Wohn- und Geschäftshäuser aus der Zeit um 1900 an der Frintroper Straße sowie Siedlungshäuser und Mehrfamilienhäuser der 1950er bis 1970er Jahre. Bei den Altbauten lohnt der Blick in die Bauakte, bevor Du planst; was dabei herauskommt, steht in meinem Beitrag zur Bauakte Essen. Bei den Nachkriegsbauten sind Heizung, Elektrik und Fenster die drei Posten, die über den Preis entscheiden.
Ein Frintroper Sonderfall ist der frühere Schacht Kattendahl. Er wurde 1966 offiziell aus der Bergaufsicht entlassen, das Gelände ist heute Grünfläche mit Spielplatz. Trotzdem gilt für jedes Objekt im westlichen Essen: Wer bauen oder anbauen will, holt sich die Bergbauauskunft. Wie das geht, steht unter Bergbauauskunft bei der RAG.
Was Immobilien in Essen-Frintrop kosten
Die Zahlen kommen vom Gutachterausschuss für Grundstückswerte in der Stadt Essen, der jeden notariellen Kaufvertrag auswertet. Portalpreise liegen fast immer darüber.
| Was | Richtwert | Spanne |
|---|---|---|
| Eigentumswohnung (Weiterverkauf) | 2.050 € je m² Wohnfläche | 1.950 bis 2.150 € (fünf Zonen) |
| Wohnbauland | 330 € je m² Grundstück | 260 bis 350 € |
Zum aktuellen Stichtag, veröffentlicht über BORIS-NRW.
Frintrop ist damit günstiger als Borbeck-Mitte (2.150 Euro) und Frohnhausen (2.350 Euro). Nach oben ist der Abstand groß: Margarethenhöhe 2.650, Holsterhausen 2.850, Bredeney 3.300 Euro.
Der Bodenrichtwert bestätigt, was ich oben über Ober- und Unterfrintrop geschrieben habe: Median 330 Euro je Quadratmeter, Spanne 260 bis 350 Euro. Zwischen der günstigsten und der teuersten Bodenlage liegen rund 35 Prozent. In Frintrop kaufst Du nicht einen Markt, sondern zwei.
Und damit die Zahl nicht mehr trägt, als sie kann: Der Immobilienrichtwert ist ein Median über mehrere Richtwertzonen und beschreibt ein Normobjekt — Baujahr 1962, 69 Quadratmeter, mittlerer Standard, Balkon, kein Stellplatz, unvermietet. Deine Wohnung ist das fast sicher nicht, und eine Verkehrswertermittlung ersetzt der Richtwert nicht.
Brauchst Du eine belastbare Zahl für Dein Objekt, melde Dich. Wie ich vorgehe, steht unter Bewertungsverfahren wählen.
Für wen Frintrop passt
- Passt gut: Wer einen echten Ortskern mit Kirchplatz und Wochenmarkt sucht; Pendler nach Oberhausen; Käufer, die eine Straßenbahn vor der Tür wollen, ohne innenstadtnah zu wohnen; Menschen, denen Vereinsleben etwas bedeutet.
- Passt eher nicht: Wer in Unterfrintrop wohnen und trotzdem zu Fuß einkaufen will; wer eine weiterführende Schule im Stadtteil braucht; wer täglich mit dem Zug pendelt; wer eine ruhige Adresse sucht und an der B 231 kauft.
Der ganze Bezirk auf einen Blick: Stadtbezirk IV Borbeck — mit allen Stadtteilen, Richtwerten und Einwohnerzahlen in einer Tabelle.
Die Nachbarn
Frintrop grenzt im Nordosten an Dellwig, im Süden an Bedingrade und im Westen und Norden an Oberhausen und Mülheim an der Ruhr. Wer mehr Fläche und Garten sucht, sieht sich Bedingrade an. Wer Bahnhof, Ämter und volles Einzelhandelsangebot braucht, geht nach Borbeck-Mitte. Die Porträts aller Essener Stadtteile stehen auf der Essen-Seite.
Das Wichtigste in Kürze
- 8.506 Einwohner, westlichster Stadtteil Essens, Stadtbezirk IV Borbeck, eingemeindet am 1. April 1915.
- Zwei Ebenen am Südhang des Emschertals: Oberfrintrop mit der St.-Josef-Kirche, Unterfrintrop mit Markt- und Leoplatz. 87,2 Meter oben, 36 Meter unten.
- Oberfrintrop hat Wochenmarkt, zwei Lebensmittelmärkte, Post und Grundschule. Unterfrintrop hat seit dem Abriss des Discounters keine Nahversorgung mehr.
- Straßenbahn 105 mit zwei Endstellen im Stadtteil, Busse 143 und 185, SB94 nach Oberhausen, nachts NE11. Kein Bahnhof, keine weiterführende Schule.
- Amtlicher Richtwert Eigentumswohnung: 2.050 Euro je m² (1.950 bis 2.150), Bauland 330 Euro je m² (260 bis 350) — der Unterschied zwischen Ober- und Unterfrintrop in Zahlen.
- Der Schacht Kattendahl ist seit 1966 aus der Bergaufsicht entlassen. Vor Bauvorhaben gehört die Bergbauauskunft trotzdem dazu.
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Christian Gottschling
Geschäftsführer der GOTTSCHLING Immobilien GmbH in Essen. Über 400 Immobilienverkäufe, mehr als 1.000 Vermietungen und rund 4.000 verwaltete Wohneinheiten im Ruhrgebiet, dazu ein eigenes Handwerkernetz für alle Gewerke.
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Zuletzt geprüft am 5. September 2026. Immobilien- und Bodenrichtwerte: Gutachterausschuss für Grundstückswerte in der Stadt Essen, veröffentlicht über BORIS.NRW, Stichtag 1. Januar des laufenden Jahres. Struktur- und Sozialdaten: Stadt Essen, Amt für Statistik, Stadtforschung und Wahlen. Schulen: Schulverzeichnis der Stadt Essen. Die Richtwerte sind Mediane und ersetzen keine Verkehrswertermittlung. Dies ist keine Rechts- oder Steuerberatung.

