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Penthouse – einfach erklärt

Auf der Dachterrasse steht ein Olivenbaum im Kübel, der Blick geht über halb Essen, und der Verkäufer sagt den Satz, den alle sagen: „Die Terrasse gehört komplett zur Wohnung.“ Er meint es nicht falsch. Rechtlich stimmt es meistens trotzdem nicht — und das entscheidet, wer die nächste Dachabdichtung bezahlt.

Was ist ein Penthouse?

Ein Penthouse ist eine Wohnung im obersten Geschoss eines Hauses, die gegenüber den Geschossen darunter zurückspringt und dadurch eine große, oft umlaufende Dachterrasse hat.

Das ist eine Beschreibung, keine Definition aus einem Gesetz. „Penthouse“ steht in keiner Vorschrift. Es ist ein Wort aus der Vermarktung, und es wird großzügig verwendet: Auch eine normale Dachgeschosswohnung mit Balkon wird gelegentlich so angeboten.

Woran Du das echte vom behaupteten Penthouse unterscheidest: der Rücksprung. Ein Penthouse sitzt wie ein kleineres Haus auf dem Gebäude, deshalb liegt die Terrasse auf dem Dach des darunterliegenden Geschosses. Genau daraus folgt fast alles, was Du rechtlich wissen musst.

Wie das in der Praxis aussieht

Die Terrassenfläche liegt auf einer Dachkonstruktion. Diese Konstruktion — Tragschicht, Dämmung und vor allem die Abdichtung — ist ein Teil des Gebäudes, der für dessen Bestand und Sicherheit erforderlich ist. Nach § 5 Abs. 2 des Wohnungseigentumsgesetzes können solche Teile kein Sondereigentum sein, auch dann nicht, wenn sie im Bereich Deiner Räume liegen. Die Dachhaut unter Deinen Terrassenplatten gehört also der Gemeinschaft.

Was Du stattdessen bekommst, ist in aller Regel ein Sondernutzungsrecht: das Recht, diese Fläche des Gemeinschaftseigentums allein zu nutzen und alle anderen davon auszuschließen. Es steht in der Teilungserklärung oder der Gemeinschaftsordnung und ist mit Deinem Wohnungseigentum verbunden. Verkaufen kannst Du es nur zusammen mit der Wohnung.

Nur der Bereich innerhalb der Außenwände — die Wohnräume selbst — ist Sondereigentum nach § 5 Abs. 1 WEG. Der Belag auf der Terrasse, also Platten, Kies oder Holzrost, wird in der Praxis meist dem Sondernutzungsberechtigten zugeordnet; die Abdichtung darunter bleibt Gemeinschaftseigentum. Was am Ende gilt, steht in Deiner Gemeinschaftsordnung, nicht in einem Ratgeber.

Christian Gottschling als Speaker auf einer Bühne vor Publikum, Immobilienexperte aus Essen
Auf der Bühne vor Publikum

Wer zahlt die Abdichtung

Das ist die teuerste Frage, die ein Penthouse stellt. Eine Terrassenabdichtung hält keine Ewigkeit, und ihre Erneuerung kostet je nach Fläche und Aufbau einen ordentlichen fünfstelligen Betrag.

Der Grundsatz: Erhaltung des Gemeinschaftseigentums ist Sache der Gemeinschaft, und die Kosten trägt nach § 16 Abs. 2 Satz 1 WEG jeder Eigentümer nach dem Verhältnis seines Miteigentumsanteils. Das heißt im Regelfall: Alle zahlen mit, obwohl nur einer die Terrasse nutzt. Das empfinden viele Eigentümer als ungerecht — und deshalb wird an dieser Stelle regelmäßig gestritten.

Es gibt zwei legitime Auswege. Erstens kann die Gemeinschaftsordnung von Anfang an einen abweichenden Schlüssel vorsehen, etwa dass der Sondernutzungsberechtigte die Erhaltung „seiner“ Fläche trägt. Zweitens erlaubt § 16 Abs. 2 Satz 2 WEG der Gemeinschaft, für einzelne Kosten oder bestimmte Arten von Kosten eine abweichende Verteilung zu beschließen. Beides gehört vor dem Kauf gelesen, denn beides kann Dich mit sechsstelligen Beträgen allein lassen — oder Dich davor bewahren. Wie Du das prüfst, steht unter WEG-Unterlagen prüfen.

Vorher lohnt der Blick in die Erhaltungsrücklage: Eine Gemeinschaft, die für ein Flachdach mit begehbarer Terrasse nichts angespart hat, wird die Sanierung über eine Sonderumlage finanzieren müssen.

Warum das für Dich wichtig ist

Weil das Penthouse die Wohnung mit dem größten Preisaufschlag und der kleinsten Käufergruppe ist. In den gefragten Essener Lagen — Rüttenscheid mit einem Immobilienrichtwert von 2.925 Euro je Quadratmeter, Bredeney mit 3.300 Euro — liegen die tatsächlich erzielten Penthousepreise deutlich über diesen Werten. Das ist auch richtig so, denn der Richtwert beschreibt ein Normobjekt von 69 Quadratmetern aus dem Baujahr 1962 mit Balkon, nicht eine Dachwohnung mit achtzig Quadratmetern Terrasse.

Der Haken: Dieser Aufschlag ist nicht stabil. Er hängt an einer Handvoll Käufer, die genau so etwas suchen und es sich leisten können. Fällt die Nachfrage in diesem Segment, fällt der Preis stärker als bei der Zweizimmerwohnung im ersten Stock. Wer ein Penthouse als sichere Anlage kauft, verwechselt Begehrlichkeit mit Marktbreite.

Dazu kommen laufende Nachteile, über die im Exposé nichts steht: die sommerliche Überhitzung unter einem Flachdach, die Windexposition auf der Terrasse, die Abhängigkeit vom Aufzug und ein Bauteil — das Dach — das Dich stärker betrifft als jeden anderen im Haus.

Die häufigsten Fallstricke

Die Terrasse wird für Wohnfläche gehalten

Nach § 4 Nr. 4 der Wohnflächenverordnung werden Balkone, Loggien, Dachgärten und Terrassen in der Regel zu einem Viertel, höchstens zur Hälfte angerechnet. Achtzig Quadratmeter Dachterrasse sind also rechnerisch zwanzig bis vierzig Quadratmeter Wohnfläche. Wer sie voll in den Quadratmeterpreis einrechnet, rechnet sich reich.

Der Wintergarten auf der Terrasse steht ohne Beschluss

Eine nachträgliche Überdachung, ein Windschutz oder ein fest verschraubter Sichtschutz sind bauliche Veränderungen am Gemeinschaftseigentum. Sie brauchen nach § 20 Abs. 1 WEG einen Beschluss oder eine Gestattung. Und ein Sondernutzungsrecht erlaubt Dir zwar die Nutzung, aber nicht den Umbau. Fehlt der Beschluss, kann die Gemeinschaft den Rückbau verlangen — auch Jahre später vom Käufer.

Der Vorbesitzer hat die Abdichtung durchbohrt

Jede Verschraubung in der Terrassenfläche ist ein potenzieller Wassereintritt in das Geschoss darunter. Wenn unter Dir jemand wohnt, wird aus einer Undichtigkeit sehr schnell ein Schaden am Sondereigentum eines Dritten. Vor dem Kauf gehört geklärt, wer Markise, Pergola oder Solarelemente wie befestigt hat.

Der Aufzug wird nicht mitgeprüft

Ein Penthouse ohne funktionierenden Aufzug verliert einen erheblichen Teil seiner Zielgruppe. Alter, Wartungsvertrag und anstehende Modernisierung der Anlage gehören in die Unterlagenprüfung — sie stehen im Wirtschaftsplan und in den Protokollen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Penthouse ist ein Vermarktungsbegriff, kein Rechtsbegriff — entscheidend ist der Rücksprung im obersten Geschoss.
  • Die Dachabdichtung unter der Terrasse ist nach § 5 Abs. 2 WEG zwingend Gemeinschaftseigentum.
  • Du bekommst an der Terrasse in der Regel ein Sondernutzungsrecht, kein Sondereigentum.
  • Erhaltungskosten trägt nach § 16 Abs. 2 Satz 1 WEG die Gemeinschaft nach Miteigentumsanteilen — abweichende Regeln sind vereinbar und nach Satz 2 auch beschließbar.
  • Terrassenfläche zählt nach § 4 Nr. 4 WoFlV nur zu einem Viertel bis höchstens zur Hälfte als Wohnfläche.
  • Umbauten auf der Terrasse sind bauliche Veränderungen nach § 20 WEG und brauchen einen Beschluss.

Häufige Fragen

Gehört mir die Dachterrasse, wenn sie nur von meiner Wohnung aus zugänglich ist?

Der Zugang entscheidet nicht. Was Dir gehört, steht in der Teilungserklärung und im Aufteilungsplan. Zugänglichkeit nur über Deine Wohnung ist ein starkes Indiz für ein Sondernutzungsrecht — aber die Dachkonstruktion darunter bleibt trotzdem Gemeinschaftseigentum.

Kann ich die Dachterrasse getrennt von der Wohnung verkaufen?

Nein. Ein Sondernutzungsrecht ist mit dem Wohnungseigentum verbunden und geht nur zusammen mit ihm über. Anders wäre es nur, wenn ausnahmsweise echtes Sondereigentum begründet worden wäre — das kommt bei Dachterrassen praktisch nicht vor.

Darf ich auf der Dachterrasse ein Hochbeet oder einen Whirlpool aufstellen?

Beim Gewicht wird es ernst. Eine Dachdecke ist auf eine bestimmte Last ausgelegt, und gefüllte Hochbeete oder ein Wasserbecken überschreiten sie schnell. Das ist kein WEG-Thema, sondern ein statisches — hier gehört ein Fachplaner gefragt, bevor etwas steht.

Warum ist es im Penthouse im Sommer so heiß?

Weil ein Flachdach den ganzen Tag Sonne aufnimmt und die Wohnung von oben und von allen Seiten Wärme bekommt. Außenliegende Verschattung hilft deutlich mehr als jede Klimaanlage — sie ist aber eine bauliche Veränderung und braucht einen Beschluss.

Lohnt sich ein Penthouse als Kapitalanlage?

Selten. Der Preisaufschlag beim Kauf wird nicht von einem entsprechenden Mietaufschlag getragen, weil der Mietmarkt in diesem Segment dünn ist. Rechne die Sache durch, bevor Du kaufst — die Größen dafür stehen unter Bruttoanfangsrendite und Kaufpreisfaktor.

Was, wenn die Gemeinschaft die Dachsanierung ablehnt?

Die Erhaltung des Gemeinschaftseigentums ist Pflichtaufgabe der Gemeinschaft. Wird ein erforderlicher Beschluss verweigert, bleibt der Weg über das Gericht. Fristen und Ablauf stehen unter Anfechtungsklage in der WEG.

Ist eine Dachgeschosswohnung dasselbe wie ein Penthouse?

Nein. Eine Dachgeschosswohnung liegt unter der Dachschräge, ein Penthouse steht als zurückgesetztes Geschoss auf dem Gebäude. Geht die Wohnung über zwei Ebenen, ist es eine Maisonettewohnung — auch das wird im Exposé gerne vermischt.

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Christian Gottschling mit dem Team von GOTTSCHLING Immobilien in Essen
Christian Gottschling und das Team von GOTTSCHLING Immobilien

Christian Gottschling
Geschäftsführer der GOTTSCHLING Immobilien GmbH in Essen. Über 400 Immobilienverkäufe, mehr als 1.000 Vermietungen und rund 4.000 verwaltete Wohneinheiten im Ruhrgebiet, dazu ein eigenes Handwerkernetz für alle Gewerke.

Zuletzt geprüft am 5. September 2026. Rechtsgrundlagen wurden am Wortlaut auf gesetze-im-internet.de geprüft. Marktdaten: Gutachterausschuss für Grundstückswerte in der Stadt Essen über BORIS.NRW. Kosten- und Zeitangaben sind Größenordnungen aus der Praxis, keine amtlichen Zusagen. Dies ist keine Rechts- oder Steuerberatung – im Einzelfall entscheiden Notar, Rechtsanwalt oder Steuerberater.