SCHUFA und Bonität – einfach erklärt
Die Finanzierung war durch, sagt der Berater am Telefon, und jetzt sei sie es doch nicht. Ein Wert sei zu niedrig. Welcher Wert, fragst Du. Er darf es Dir nicht sagen, sagt er, das komme von der Auskunftei.
Er irrt sich in zwei Punkten. Und Du hast mehr Rechte, als er glaubt.
Was ist Bonität, und was macht die SCHUFA?
Bonität ist die Einschätzung, wie wahrscheinlich Du Deine Rechnungen bezahlst — die SCHUFA ist die bekannteste der Auskunfteien, die dafür Daten sammeln und daraus einen Wahrscheinlichkeitswert berechnen.
Dieser Wert heißt Score. Er beruht nicht auf einer Bewertung Deiner Person, sondern auf einem statistischen Vergleich: Menschen mit ähnlichem Datenmuster haben in der Vergangenheit so und so oft nicht gezahlt. § 31 Absatz 1 Nummer 2 des Bundesdatenschutzgesetzes verlangt dafür ein wissenschaftlich anerkanntes mathematisch-statistisches Verfahren, und nach Nummer 3 dürfen für die Berechnung nicht ausschließlich Anschriftendaten verwendet werden.
Wichtig ist, was eine Auskunftei überhaupt speichern darf. Nach § 31 Absatz 2 BDSG dürfen unbezahlte Forderungen nur einfließen, wenn sie tituliert sind, im Insolvenzverfahren festgestellt wurden, vom Schuldner ausdrücklich anerkannt wurden — oder wenn zweimal schriftlich gemahnt wurde, die erste Mahnung mindestens vier Wochen zurückliegt, auf die mögliche Meldung hingewiesen wurde und Du die Forderung nicht bestritten hast. Eine bestrittene Rechnung gehört dort nicht hinein.
Wie das in der Praxis aussieht
Bei der Immobilienfinanzierung ist der Score nur einer von drei Bausteinen. Die Bank ist nach § 505a Absatz 1 BGB verpflichtet, Deine Kreditwürdigkeit zu prüfen, und darf einen Immobiliar-Verbraucherdarlehensvertrag nur schließen, wenn es wahrscheinlich ist, dass Du Deinen Verpflichtungen vertragsgemäß nachkommst. Diese Prüfung stützt sich auf:
- Die Haushaltsrechnung. Nettoeinkommen minus Lebenshaltungspauschale minus bestehende Raten minus Wohnkosten. Was übrig bleibt, muss die Rate tragen.
- Das Objekt. Der Beleihungswert und der Auslauf darauf. Viel Eigenkapital gleicht einen mittelmäßigen Score teilweise aus.
- Die Auskunft. Score, laufende Kredite, Konten, gemeldete Zahlungsstörungen.
Am Beispiel, das sich durch alle Finanzierungsbegriffe dieses Lexikons zieht: 80 Quadratmeter in Essen-Frohnhausen, Immobilienrichtwert des Gutachterausschusses für Grundstückswerte in der Stadt Essen 2.350 Euro je Quadratmeter, Kaufpreis 188.000 Euro, Darlehen 150.000 Euro, Rate 750 Euro bei 4 Prozent Sollzins und 2 Prozent Tilgung. Dazu 250 bis 350 Euro Hausgeld. Die Bank rechnet also mit rund 1.050 Euro Wohnkosten. Ein laufender Autokredit über 300 Euro verschiebt diese Rechnung stärker als zwanzig Scorepunkte — er ist echtes Geld, der Score ist eine Wahrscheinlichkeit.
Zwei Rechte, die Du hast und die kaum jemand nutzt:
Auskunft nach Artikel 15 DSGVO. Du kannst von jeder Auskunftei verlangen zu erfahren, welche Daten über Dich verarbeitet werden, woher sie stammen, an wen sie weitergegeben wurden und wie lange sie gespeichert bleiben. Besteht eine automatisierte Entscheidungsfindung einschließlich Profiling, hast Du zusätzlich Anspruch auf aussagekräftige Informationen über die involvierte Logik sowie über Tragweite und angestrebte Auswirkungen. Nach Artikel 15 Absatz 3 DSGVO stellt der Verantwortliche eine Kopie der verarbeiteten Daten zur Verfügung; erst für weitere Kopien darf ein Entgelt verlangt werden.
Mitteilung nach § 30 Absatz 2 BDSG. Wer einen Verbraucherdarlehensvertrag wegen einer Auskunft ablehnt, muss den Verbraucher unverzüglich darüber unterrichten — und über die erhaltene Auskunft. Der Berater am Telefon darf Dir also sehr wohl sagen, dass und was gemeldet wurde.
Dazu kommt Artikel 22 DSGVO: Du hast das Recht, nicht einer ausschließlich auf automatisierter Verarbeitung beruhenden Entscheidung unterworfen zu werden, die Dir gegenüber rechtliche Wirkung entfaltet. Ist die Entscheidung für den Vertragsschluss erforderlich, greift die Ausnahme des Absatzes 2 — dann aber muss der Verantwortliche nach Absatz 3 angemessene Maßnahmen treffen, wozu mindestens das Recht gehört, das Eingreifen einer Person zu erwirken, den eigenen Standpunkt darzulegen und die Entscheidung anzufechten. Verlange dieses Gespräch.

Warum das für Dich wichtig ist
Der praktisch wirksamste Hebel kostet nichts und dauert eine Minute: Lass jede Bankanfrage als Konditionenanfrage stellen, nicht als Kreditanfrage. Eine Konditionenanfrage wird bei der Auskunftei gespeichert, aber nicht in den Score eingerechnet und Dritten nicht angezeigt. Eine Kreditanfrage schon. Wer bei fünf Banken eine Kreditanfrage stellen lässt, sieht am Ende aus wie jemand, der viermal abgelehnt wurde. Sag ausdrücklich: „Bitte als Konditionenanfrage.“
Der zweite Hebel ist Aufräumen. Zieh die Datenkopie nach Artikel 15 DSGVO, bevor Du zur Bank gehst — nicht danach. Prüfe: Sind längst gekündigte Konten und abbezahlte Kredite noch verzeichnet? Steht eine Forderung drin, die Du bestritten hast und die deshalb nach § 31 Absatz 2 BDSG gar nicht dort stehen dürfte? Beides lässt sich korrigieren, aber es dauert Wochen. Vier Wochen Vorlauf sind knapp.
Der dritte Hebel ist die Reihenfolge. Wer in Essen kauft, hat es oft mit einem knappen Zeitfenster zu tun: Zwischen Zuschlag und Notartermin liegen selten mehr als vier Wochen. Wer die Bonitätsfragen erst dann klärt, klärt sie unter Druck. Mehr zum Ablauf steht unter Zeitachse Immobilienkauf und Budget für den Immobilienkauf.
Die häufigsten Fallstricke
- Mehrere Kreditanfragen parallel. Der häufigste selbst verursachte Schaden. Er ist vollständig vermeidbar, siehe oben.
- Der Umzug kurz vor der Finanzierung. Anschriftendaten dürfen nach § 31 Absatz 1 Nummer 3 BDSG nicht allein zur Berechnung dienen, aber häufige Adresswechsel sind ein Merkmal unter vielen. Wenn es sich vermeiden lässt, verschiebe den Umzug hinter die Zusage.
- Der vergessene Ratenkauf. Ein Möbelkredit über 80 Euro im Monat wirkt klein, mindert aber die Haushaltsrechnung dauerhaft und taucht in der Auskunft auf. Bezahle laufende Kleinkredite vor der Finanzierung ab, nicht danach.
- Die Auskunft wird nach der Absage gezogen. Dann ist es zu spät, denn die Korrektur dauert. Zieh sie vorher, und geh mit dem Ausdruck ins Bankgespräch. Das wirkt souverän und spart Rückfragen.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Score ist ein statistischer Wahrscheinlichkeitswert, keine Bewertung Deiner Person (§ 31 Absatz 1 BDSG).
- Unbezahlte Forderungen dürfen nur unter den engen Voraussetzungen des § 31 Absatz 2 BDSG gespeichert werden; eine bestrittene Forderung gehört nicht dazu.
- Die Bank muss Deine Kreditwürdigkeit nach § 505a BGB prüfen; Haushaltsrechnung und Objektwert wiegen dabei schwerer als der Score allein.
- Nach Artikel 15 DSGVO bekommst Du eine Datenkopie und Informationen über die Logik automatisierter Entscheidungen.
- Wird der Kredit wegen einer Auskunft abgelehnt, muss die Bank Dich nach § 30 Absatz 2 BDSG unverzüglich darüber und über die Auskunft unterrichten.
- Immer „Konditionenanfrage“ verlangen — sie ist nicht scorewirksam, die Kreditanfrage schon.
Häufige Fragen
Wie bekomme ich meine Daten kostenlos?
Über einen Antrag nach Artikel 15 DSGVO bei der jeweiligen Auskunftei. Die erste Kopie der verarbeiteten Daten ist nach Artikel 15 Absatz 3 DSGVO kostenlos; ein Entgelt darf erst für weitere Kopien verlangt werden. Stellst Du den Antrag elektronisch, sind die Informationen in einem gängigen elektronischen Format bereitzustellen.
Wie lange bleiben Einträge gespeichert?
Das regelt kein Gesetz im Detail; die Auskunfteien wenden eigene Löschfristen an, die sich für erledigte Forderungen und abgeschlossene Kredite typischerweise über einige Jahre erstrecken. Verlange die konkreten Fristen mit der Auskunft nach Artikel 15 DSGVO — die geplante Speicherdauer oder die Kriterien dafür gehören ausdrücklich zum Auskunftsanspruch.
Darf eine Bank mich allein wegen des Scores ablehnen?
Eine ausschließlich automatisierte Ablehnung mit rechtlicher Wirkung ist nach Artikel 22 Absatz 1 DSGVO grundsätzlich unzulässig. Greift eine Ausnahme, hast Du nach Absatz 3 zumindest Anspruch darauf, dass ein Mensch die Sache ansieht, dass Du Deinen Standpunkt darlegen kannst und dass Du die Entscheidung anfechten kannst.
Schadet es, wenn ich viele Konten habe?
Eine große Zahl gleichzeitig geführter Girokonten und Kreditkarten kann sich negativ auswirken, weil sie als Verfügungsrahmen zählt. Räum vor der Finanzierung auf und kündige, was Du nicht brauchst — aber lass das älteste Konto bestehen, lange Bankverbindungen wirken eher positiv.
Was ist mit einem gemeinsamen Kauf zu zweit?
Dann werden beide Bonitäten geprüft, und beide haften als Gesamtschuldner. Ein schwacher Score des einen lässt sich durch den anderen abfedern; ein Negativeintrag dagegen selten. Sprecht vorher offen darüber, sonst kommt es im Bankgespräch heraus.
Prüft die Bank meine Bonität auch beim Verkauf?
Nicht Deine, sondern die des Käufers — und dieser Blick ist für Dich als Verkäufer entscheidend. Wie das geht, steht unter Bonität des Käufers prüfen. Das Gegenstück im Mietrecht ist die Bonitätsprüfung beim Mieter.
Hilft es, den Score kurz vor dem Antrag zu verbessern?
Kurzfristig kaum, weil Änderungen erst mit Verzögerung ankommen. Was kurzfristig wirkt, sind die Punkte, die gar nicht im Score stehen: eine saubere Haushaltsrechnung, abbezahlte Kleinkredite und mehr Eigenkapital. Das sind auch die Punkte, auf die eine Bank bei einer Immobilie zuerst schaut.
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Christian Gottschling
Geschäftsführer der GOTTSCHLING Immobilien GmbH in Essen. Über 400 Immobilienverkäufe, mehr als 1.000 Vermietungen und rund 4.000 verwaltete Wohneinheiten im Ruhrgebiet, dazu ein eigenes Handwerkernetz für alle Gewerke.
Zuletzt geprüft am 5. September 2026. Rechtsgrundlagen wurden am Wortlaut auf gesetze-im-internet.de geprüft. Marktdaten: Gutachterausschuss für Grundstückswerte in der Stadt Essen über BORIS.NRW. Kosten- und Zeitangaben sind Größenordnungen aus der Praxis, keine amtlichen Zusagen. Dies ist keine Rechts- oder Steuerberatung – im Einzelfall entscheiden Notar, Rechtsanwalt oder Steuerberater.

