Stadtbezirk VII Steele/Kray: Wohnen und Immobilien

Steele war 351 Jahre lang eine eigene Stadt. Von 1578, als die Äbtissin Elisabeth von Manderscheid-Blankenheim die Stadtrechte verlieh, bis zur Eingemeindung 1929. In dieser Zeit bekam Steele eine Stadtmauer, eine Sparkasse, ein Krankenhaus, ein Postamt und 1879 ein eigenes Amtsgericht am Grendplatz. Das Amtsgericht Essen-Steele gibt es dort bis heute.
Der Stadtbezirk VII besteht aus fünf Stadtteilen auf 20,8 Quadratkilometern mit rund 71.100 Einwohnern. Er reicht von der Ruhr im Süden bis fast an die Gelsenkirchener Grenze im Norden, und er hat gleich zwei alte Zentren: Steele an der Ruhr und Kray mit seinem großen Marktplatz an der Hubertstraße.
Für Käufer und Verkäufer ist hier eine Sache entscheidend: Die Stadtteilwerte liegen dicht beieinander, aber innerhalb von Steele und Horst geht es steil bergauf und bergab — im wörtlichen wie im preislichen Sinn.
Die Stadtteile im Bezirk
Die Werte stammen vom Gutachterausschuss für Grundstückswerte in der Stadt Essen. Der Immobilienrichtwert gilt für eine Eigentumswohnung im Weiterverkauf je Quadratmeter Wohnfläche, der Bodenrichtwert für baureifes Wohnbauland je Quadratmeter Grundstücksfläche.
| Stadtteil | Einwohner | Immobilienrichtwert | Bodenrichtwert |
|---|---|---|---|
| Steele | 16.926 | 2.050 €/m² | 330 €/m² |
| Horst (Preise) | 10.994 | 2.050 €/m² | 330 €/m² |
| Freisenbruch | 16.498 | 2.000 €/m² | 280 €/m² |
| Leithe | 6.805 | 2.000 €/m² | 270 €/m² |
| Kray | 19.844 | 1.950 €/m² | 270 €/m² |
Der Median über die fünf Stadtteilwerte liegt bei 2.000 Euro je Quadratmeter Wohnfläche und 280 Euro je Quadratmeter Boden. Der gesamtstädtische Median beträgt 2.300 Euro. Alle 50 Stadtteile im Vergleich findest Du unter Immobilienpreise Essen.
Zwischen dem teuersten und dem günstigsten Stadtteil liegen nur 100 Euro je Quadratmeter. Dieser Wert täuscht allerdings, und warum, steht weiter unten im Abschnitt zum Preisgefälle.
Was den Bezirk prägt
Die Geschichte beginnt an der Ruhr. Steele wird 840 erstmals urkundlich erwähnt, und 938 hielt König Otto I. dort einen Hoftag ab. 1563 bekam der Ort das Privileg für die Mai- und die Herbstkirmes, 1578 die Stadtrechte. Ab dem 15. Jahrhundert entstand eine Stadtmauer, die ab 1815 wieder abgebrochen wurde. Bereits 1580 wurde Steele in einem Städtebuch mit seinen ertragreichen Kohlengruben erwähnt — Bergbau gab es hier also lange vor der industriellen Zeit.
Eine Besonderheit steckt im Namen Königssteele. Während Steele selbst zum Stift Essen gehörte, lagen die östlich angrenzenden Siedlungen auf preußischem Gebiet. Am 1. April 1919 wurden Horst, Eiberg und Freisenbruch nach Königssteele eingemeindet, 1926 wurde Königssteele mit Steele vereinigt, und 1929 kam das Ganze zu Essen. Deshalb wirkt der Bezirk bis heute wie eine Sammlung eigenständiger Orte statt wie ein gewachsener Stadtteil.
Von der Steeler Stadtzeit ist viel sichtbar geblieben. Die Fürstin-Franziska-Christine-Stiftung, ein von der Äbtissin gestiftetes Waisenhaus, prägt mit ihrer Barockfassade den Ort. 1869 nahm das St.-Laurentius-Hospital seinen Betrieb auf, heute steht das denkmalgeschützte Gebäude als Seniorenstift. 1875 wurde die neugotische Pfarrkirche St. Laurentius eingeweiht, die im Volksmund Steeler Dom heißt. 1864 entstand die Sparkasse Steele als dritte auf heutigem Essener Stadtgebiet, nach Essen und Werden.
Kray hat eine eigene Linie. Erstmals urkundlich erwähnt 1340, der Name geht auf das altsächsische Creia für Krähe zurück. 1906 bildeten Kray und Leithe eine eigene Bürgermeisterei, 1920 wurden beide zur vergrößerten Gemeinde Kray zusammengelegt, 1929 kam sie zu Essen. Der Ortskern aus der Zeit um 1900 ist weitgehend erhalten. Heute liegt in Kray der Technologiepark Essen, und in der Eckenbergstraße hat Aldi Nord seinen Hauptsitz.
Leithe wurde 1019 erstmals erwähnt und war jahrhundertelang Bauerschaft; bis etwa 900 führte sogar der Hellweg hindurch. 1897 wurde hier Schacht IV der Wattenscheider Zeche Centrum abgeteuft — damals gab es in der Bauerschaft noch 15 Höfe. Für die Bergleute entstanden die Siedlungen Wackenberg, Sulzbachtal, Pleskengarten, Tiemansleithe und Volksgartenweg. Auf dem alten Schachtgelände liegt heute das Gewerbegebiet Adlerstraße. Und auf dem Isinger Feld steht seit den späten 1960er Jahren eine Hochhaussiedlung mit rund 4.000 Einwohnern; im Mai 1968 wurde dort die dreimillionste öffentlich geförderte Sozialwohnung des Landes Nordrhein-Westfalen eingeweiht.
Horst schließlich ist der Stadtteil mit drei Gesichtern. Das Untere Horst liegt in den Ruhrauen, das Obere Horst auf dem Berg, und dazwischen kam in den 1970er Jahren die Hochhaussiedlung Hörsterfeld. Der Name kommt vom altsächsischen hurst für Gestrüpp oder vom althochdeutschen Horst für Niederwald. Seit 955 gehörte Horst mit Steele zum Stift Essen, 1226 wurde die Gemeinde gewaltsam davon getrennt. Über die Ruhr führt seit 1982 die Schwimmbrücke Holtey als Fuß- und Radwegbrücke; eine Vorgängerin, die Pfennigbrücke, gab es von 1901 bis 1958.

Preisgefälle im Bezirk
Die 100 Euro Abstand zwischen Steele und Kray sind nicht die interessante Zahl. Die interessante Zahl steckt im Bodenrichtwert von Steele: Über 23 Zonen reicht er von 260 bis 490 Euro. Das sind knapp 89 Prozent Unterschied und damit eine der größten relativen Bodenspannen aller 50 Essener Stadtteile. Auch beim Immobilienrichtwert liegen dort 500 Euro zwischen der günstigsten Zone bei 1.950 und der teuersten bei 2.450 Euro.
Der Grund ist Topografie. Steele reicht von der Ruhrpromenade und der Altstadt am Wasser bis auf die Höhen Richtung Kray. Wo Du nah am Fluss, am Stadtgarten und an der Altstadt wohnst, zahlst Du deutlich mehr als an den nördlichen Rändern zum Gewerbe hin. Dasselbe Muster in Horst: dreizehn Zonen von 1.950 bis 2.350 Euro, beim Boden 245 bis 440 Euro. Unteres Horst in den Auen, Oberes Horst auf dem Berg und das Hörsterfeld als Hochhaussiedlung — drei Lagen, drei Preisklassen, ein Stadtteilname.
Kray, Leithe und Freisenbruch sind dagegen homogen. Kray hat fünf Zonen zwischen 1.950 und 2.050 Euro, Leithe fünf zwischen 1.950 und 2.000, Freisenbruch sechs zwischen 2.000 und 2.100 Euro. Dort entscheidet der Zustand des Hauses, nicht die Straße.
Die Trennlinie im Bezirk verläuft entlang der A 40. Sie schneidet Kray in einen Nord- und einen Südteil und markiert ungefähr die Grenze zwischen den ruhr- und höhennahen Lagen im Süden und den gewerblich geprägten Lagen im Norden. Was Mikrolage in der Praxis heißt, steht unter Makrolage und Mikrolage.
Ein Thema gehört in diesem Bezirk unbedingt auf den Tisch: der Bergbau. Steele hatte schon im 16. Jahrhundert Kohlengruben, in Leithe wurde 1897 Schacht IV der Zeche Centrum abgeteuft, und in Kray verlief ein Luftschacht der Zeche Bonifacius. Die Folgen sind belegt: Die Gebäude des Kohlleppl Hofes in Leithe mussten wegen Bergschäden abgerissen werden. Was rechtlich ein Bergschaden ist, steht im Lexikon; welche Gebiete betroffen sind, beschreibe ich unter Bergsenkungsgebiete in Essen. Auf ehemaligen Zechen- und Industrieflächen — Gewerbegebiet Adlerstraße, Eisenwerk Steele, Schachtgelände in Kray — kommen Altlasten dazu, siehe Altlasten in Essen.
Verkehr und Anbindung
Der Steeler Verkehrsplatz ist nach dem Hauptbahnhof einer der wichtigsten Verkehrsknoten Essens. Er ging im Mai 1977 in Betrieb und wurde von Anfang 2009 bis August 2010 grundlegend umgebaut, mit neuer Überdachung und Barrierefreiheit über alle Ebenen.
Dort halten die S-Bahn-Linien S 1 von Solingen über Düsseldorf und Duisburg nach Dortmund, S 3 von Oberhausen nach Hattingen und S 9 von Recklinghausen beziehungsweise Haltern über Bottrop, Essen und Wuppertal nach Hagen. Dazu kommen die Regional-Express-Linien RE 14 und RE 49 sowie die Straßenbahnlinien 103 und 109 und ein dichtes Busnetz.
Weitere Bahnhalte im Bezirk: Essen-Steele Ost mit S 1 und S 3, Essen-Eiberg in Freisenbruch mit der S 1, Essen-Horst mit der S 3, Essen-Kray Nord mit der S 2 mitten in der Krayer Ortsmitte und Essen-Kray Süd mit der Regionalbahnlinie RB 40 Richtung Bochum, Witten und Hagen.
Beim Auto ist die A 40 die Hauptachse. Kray hat einen direkten Anschluss, und die Autobahn durchschneidet den Stadtteil. Die Krayer Straße bildet in Nord-Süd-Richtung die innerörtliche Hauptachse. Wer aus Steele oder Horst nach Bochum oder Wattenscheid will, ist in wenigen Minuten dort — die Stadtgrenze verläuft direkt östlich.
Fünf S-Bahn- und Regionalbahnhalte auf 20,8 Quadratkilometern: Das ist ein Angebot, wie es sonst kein Essener Bezirk außerhalb der Mitte hat.
Für wen der Bezirk passt
Passt gut, wenn Du ohne Auto pendeln willst und trotzdem nicht in der Innenstadt wohnen möchtest. Vom Steeler Verkehrsplatz erreichst Du Düsseldorf, Dortmund, Duisburg und Hagen ohne Umstieg. Passt gut für Käufer, die ein gewachsenes Zentrum mit Wochenmarkt, Fußgängerzone und Gastronomie wollen — Steele ist als Mittelzentrum eingestuft und funktioniert wie eine kleine Stadt. Passt gut für Familien, die Ruhrnähe suchen, ohne die Preise von Heisingen oder Werden zu zahlen: Unteres Horst und die südlichen Steeler Lagen liegen direkt am Fluss. Und passt gut für Pendler nach Bochum und ins östliche Ruhrgebiet.
Passt eher nicht, wenn Du erwartest, dass ein Stadtteilname für gleichmäßige Qualität steht. In Steele und in Horst liegen zwischen zwei Adressen im selben Stadtteil Welten. Passt eher nicht, wenn Du Autobahn und Bahnstrecken ausschließen willst — die A 40 zerschneidet Kray, mehrere Bahntrassen queren den Bezirk. Passt eher nicht, wenn Du ein Objekt ohne Bergbauvergangenheit suchst; Steele förderte schon im 16. Jahrhundert Kohle. Und passt eher nicht, wenn Du in einer Hochhaussiedlung wie dem Hörsterfeld oder dem Isinger Feld eine wertstabile Anlage vermutest — dort sind Rücklagen, Verwaltung und Sanierungsstand entscheidend, nicht die Lage.
Das Wichtigste in Kürze
- Fünf Stadtteile auf 20,8 Quadratkilometern mit rund 71.100 Einwohnern. Steele war von 1578 bis 1929 eine eigenständige Stadt an der Ruhr.
- Bezirksmedian: 2.000 Euro je Quadratmeter Wohnfläche und 280 Euro je Quadratmeter Boden.
- Teuerste Stadtteile sind Steele und Horst mit je 2.050 Euro, günstigster ist Kray mit 1.950 Euro.
- Steele hat mit 260 bis 490 Euro eine der größten relativen Bodenspannen der Stadt — Ruhrnähe und Höhenlage machen den Unterschied.
- Bergbau ist hier alt und belegt: Steele wurde 1580 mit seinen Kohlengruben erwähnt, in Leithe mussten Gebäude wegen Bergschäden abgerissen werden.
- Anbindung: Steeler Verkehrsplatz mit S 1, S 3, S 9, RE 14 und RE 49, dazu Halte in Steele Ost, Eiberg, Horst und zweimal in Kray, plus A 40.
Häufige Fragen
Welche Stadtteile gehören zum Stadtbezirk VII?
Steele, Kray, Freisenbruch, Horst und Leithe. Der Bezirk heißt offiziell Steele/Kray.
Welches Amtsgericht ist zuständig?
Für Steele, Kray, Freisenbruch und Horst ist das Amtsgericht Essen-Steele am Grendplatz 2 zuständig. Es wurde bereits 1879 dort eingeweiht, als Steele noch eine eigene Stadt war. In Essen gibt es insgesamt drei Amtsgerichte: Essen, Essen-Borbeck und Essen-Steele.
Warum liegen die Preise in Steele so weit auseinander?
Weil der Stadtteil von der Ruhr bis auf die Höhen reicht. Über 23 Bodenrichtwertzonen reichen die Werte von 260 bis 490 Euro je Quadratmeter, bei den Wohnungen von 1.950 bis 2.450 Euro. Lage an der Ruhrpromenade und Altstadtnähe heben, Randlagen zum Gewerbe drücken.
Muss ich mit Bergschäden rechnen?
Ja, der Bezirk liegt über altem Steinkohlenbergbau. In Leithe wurde 1897 Schacht IV der Zeche Centrum abgeteuft, in Kray gab es einen Luftschacht der Zeche Bonifacius, und in Steele wurde schon im 16. Jahrhundert Kohle gefördert. Hol vor dem Kauf eine Bergbauauskunft bei der RAG ein.
Wie steht es mit Kampfmitteln und Altlasten?
Auf ehemaligen Industrieflächen wie dem Eisenwerk Steele oder dem Gewerbegebiet Adlerstraße lohnt eine Auskunft aus dem Altlastenkataster. Vor Erdarbeiten kommt die Kampfmittelauskunft Essen dazu. Beides ist Standard, kein Sonderfall.
Was ist das Hörsterfeld?
Eine Hochhaussiedlung in Horst aus den 1970er Jahren. Sie bildet neben dem Unteren Horst in den Ruhrauen und dem Oberen Horst auf dem Berg den dritten Teil des Stadtteils. Bei Wohnungen dort solltest Du besonders genau auf Erhaltungsrücklage und Sanierungsstand schauen.
Wie gut komme ich von Steele in andere Städte?
Sehr gut. Vom Steeler Verkehrsplatz fahren die S 1 nach Düsseldorf, Duisburg und Dortmund, die S 3 nach Oberhausen und Hattingen, die S 9 nach Bottrop, Wuppertal und Hagen sowie die Regional-Express-Linien RE 14 und RE 49.
Lohnt sich Kray als Kapitalanlage?
Kray hat einen sehr engen Preiskorridor und damit gut kalkulierbare Verhältnisse, dazu mit dem Technologiepark und dem Hauptsitz von Aldi Nord lokale Arbeitgeber. Rechne die Mietrendite aber mit echten Instandhaltungszahlen, nicht mit dem Bruttoertrag.
Gilt in Essen die Mietpreisbremse?
Nein. Essen fehlt in der Anlage zur Mieterschutzverordnung NRW. Es gilt die Kappungsgrenze von 20 Prozent in drei Jahren und nach einer Umwandlung eine Kündigungssperrfrist von drei Jahren, siehe Mietpreisbremse Essen.
Was macht Freisenbruch aus?
Freisenbruch wurde 1047 in einem Verzeichnis des Klosters Werden erwähnt, der alte Hellweg verlief hindurch. Heute mischen sich dort die Großwohnsiedlung Bergmannsfeld und der ländlichere Bereich Eiberg. Der S-Bahn-Haltepunkt Essen-Eiberg gehört zum Stadtteil.
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Christian Gottschling
Geschäftsführer der GOTTSCHLING Immobilien GmbH in Essen. Über 400 Immobilienverkäufe, mehr als 1.000 Vermietungen und rund 4.000 verwaltete Wohneinheiten im Ruhrgebiet, dazu ein eigenes Handwerkernetz für alle Gewerke.
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Zuletzt geprüft am 6. September 2026. Immobilien- und Bodenrichtwerte: Gutachterausschuss für Grundstückswerte in der Stadt Essen über BORIS.NRW (Datenlizenz Deutschland Namensnennung 2.0), Stichtag 1. Januar des laufenden Jahres. Einwohnerzahlen: Stadt Essen, Amt für Statistik, Stadtforschung und Wahlen. Alle Richtwerte sind Mediane je Stadtteil und ersetzen keine Verkehrswertermittlung. Dies ist keine Rechts- oder Steuerberatung.

